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 Sean Stinehead - Waldberg

 Seltsame Geschichten
aus einer liebenswerten Kleinstadt

Heilung aus der Apotheke des Herrn - Gesundheit durch die Kraft des Schöpfers >

Neuerscheinung
 

132 Seiten, Paperback

Preis: 14,90 EUR

ISBN 978-3-7528-8783-9


1. Auflage


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Waldberg oder die wilden Jahre

Aus dem Inhalt stern01
 
Der Franzose war eigentlich kein richtiger Franzose von Geburt, doch von seiner Art zu denken, zu leben und sich zu benehmen hätte er durchaus einer sein können, so dass mancher echter Franzose stolz auf seine Bekanntschaft gewesen wäre.

Die Taktik des Franzosen war es, Platz zu nehmen und durch seine Erscheinung zu wirken. Schon beim Betreten eines Lokals war es wichtig, den Blick nicht unkontrolliert schweifen zu lassen, denn der Franzose wusste, Frauen besaßen einen sechsten Sinn, eine Art Alarmanlage, die sofort anschlug, wenn ein Jäger auf Beutezug erschien. Doch der Franzose war schlau; er hatte gelernt, sich zu tarnen und eine nicht als solche erkennbare Falle aufzubauen. Zunächst war es wichtig, diese Jagdabsicht nicht einmal zu denken, keine Frau direkt anzuschauen und sich unter einem Mantel der Gleichgültigkeit zu verbergen. So blickte er nur kurz und haarscharf an den hübschen Gesichtern vorbei, als nehme er sie überhaupt nicht wahr. Das erzeugte in den meisten Fällen schon eine leichte Irritation. Der nächste Schritt bestand darin, ganz nebenbei eine Schachtel Gauloises aus der Hemdtasche zu ziehen, mit gekonntem Schlag auf die Verpackung eine Zigarette direkt zwischen seine Lippen zu befördern und mit einem Streichholz zu entzünden. Ein Feuerzug benutzte schließlich jeder. Dann griff er den Rotwein mit der Linken, natürlich am Stiel des Glases, blickte versonnen in das funkelnde Rot und schickte hin und wieder einen kunstvollen Kringel in die Luft. Auch ließ er den Rauch zuweilen einfach aus dem Mund gleiten, so dass geheimnissvolle Schwaden ihn umwehten, die seine Gesichtszüge nur erahnen ließen. Dabei blickte er jedesmal gekonnt an den Gesichtern seiner Opfer vorbei, die inzwischen nicht mehr vermeiden konnten, häufiger zu ihm hinüberzuschauen, scheinbar ganz zufällig. Doch der Franzose wusste um seine Wirkung, und als dann schließlich eine attraktive Brünette, von Neugier getrieben, zu ihm kam und ihn um Feuer bat, schnappte die Falle zu: Der Franzose ließ seinen leuchtend blauen Blick direkt in ihre Seele fahren, wobei er mit ruhigen, wohlgesetzten Worten auf sie einsprach. Widerstand war zwecklos.

Es war die golden schimmernde Zeit des Spätnachmittags, jene Stunde, in der die Geschäftigkeit des Tages allmählich abflaute und friedliche Beschaulichkeit in das Städchen einkehrte. Zwischen den Bäumen floss mildes Licht, und wenn man hinauf in die Kronen sah, brannte das Laub im warmgrünen Feuer. Alte Männer saßen dort am Stadtbrunnen und tranken Bier. Hier und da liefen Hausfrauen, um letzte Besorgungen zu machen, und von weiter hinten hörte man die laute Stimme von Curry-Heini, der in seiner Imbiss-Stube jedem etwas zu erzählen hatte. Heini hatte die beste Currywurst im ganzen Land, nicht allein wegen der guten Wurst, sondern vor allem wegen der geheimen Soße, die er vor Jahren ausgetüftelt hatte und die so lecker war, dass sie jeden in einen Zustand erhebender Glückseligkeit versetzte. Böse Zungen behaupteten, sie sei das Resultat eines Unfalls, bei dem mehrere Gewürzdosen vom Regal gestürzt waren; andere vermuteten, er habe das Rezept von einem Engel erhalten. Jedenfalls gingen seitdem wieder viele Leute in die Kirche und dankten Gott, dass er den Heini erschaffen habe; nur einige wenige beteten, er möge dem Heini endlich sein Mundwerk stopfen, doch diese Gebete wurden nicht erhört, denn der Herrgott liebte den Heini so wie er war. Ohne ihn wäre die Stadt ärmer gewesen. Heini war ein Original. Auch wurde er seiner eigenen Pommes niemals überdrüssig, steckte sich ab und zu eine Fritte in den Mund und kaute, während er weitersprach, genießerisch. Heini war nicht nur im Reden schnell. Die Geschwindigkeit, mit der er seine Bratwürste umdrehte, erinnerte viele an ein gut geöltes Maschinengewehr, und man war sicher, dass jeder Versuch, es ihm gleichzutun, unweigerlich mit gebrochenen Fingern enden würde. Heini war ein Könner.

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